Jura-Austausch Beijing
Auslandssemester an der China University of Political Science and Law in Peking

Warum Peking?
Bereits im Jahr 2008 verbrachte ich einen Monat an einer Sprachschule in Peking. Die Zeit verging viel zu schnell, da wir durch unseren Sprachunterricht und die zahlreichen Freizeitaktivitäten sehr ausgelastet waren. Schon da war mir klar, dass ich China, insbesondere Peking, auf jeden Fall noch einmal einen Besuch abstatten würde.
Natürlich spielten auch die Berufsaussichten eine große Rolle in meinen Überlegungen. China ist nicht erst seit den Olympischen Spielen in aller Munde. Seine enorme wirtschaftliche Entwicklung und die damit verbundenen Möglichkeiten, die sich für junge Akademiker ergeben, waren auch ausschlaggebend für meine Entscheidung, in China eine längere Zeit verbringen zu wollen.

Die Bewerbung
Etwa ein halbes Jahr vor Abflug nach Peking bewarb ich mich am Zentrum für Internationale Beziehungen unter Leitung von Herrn Jan Kruse um einen Platz im Austauschprogramm mit der China University of Political Science and Law. Nach einiger Zeit bekam ich dann die Zusage über meine erfolgreiche Bewerbung und die Aufnahme in das Austauschprogramm. Einige Tage später hatten wir ein erstes Gespräch, in dem ich auch die anderen Teilnehmer des Austauschprogramms kennenlernen durfte. Es wurden erste Fragen geklärt und die Bewerbungsunterlagen für die Universität ausgefüllt.
Erste Vorbereitungen
Ich habe mich kurze Zeit danach über Flüge nach Peking informiert, da ich so günstig wie möglich reisen wollte. Letztendlich habe ich für meinen Flug nach Peking 650 Euro gezahlt; mit der Lufthansa. Das Angebot habe ich übrigens über ein Reisebüro gebucht, welches die mir im Internet angebotenen Preise nochmals deutlich unterboten hatte. Das Internet ist also nicht immer die günstigeste Variante. ;-)
Kurze Zeit später habe ich mich auch direkt im Studentensekreteriat für das Auslandssemester beurlauben lassen. Das funktionierte wirklich reibungslos. Die Überweisung der Studiengebühren des dem Auslandssemesters folgenden Semesters gilt übrigens als Rückmeldung.
Nun hatte ich meine Flüge gebucht, mich beurlauben lassen, aber noch war ein sehr wichtiger Teil nicht geklärt. Das Visum!! Dies war alles andere als einfach, deswegen sollte jeder, der beabsichtigt auch ein Semester in China zu verbringen, sich so früh wie möglich um sein Visum beziehungsweise um die Unterlagen, die zur Beantragung eines Visums nötig sind, kümmern.
Wichtig zu beachten ist die gewünschte Art des Visums. Da während der Olympischen Spiele nur Visa mit einmaliger Ein-und Ausreise ausgestellt wurden, bekam ich auch nur ein Studentenvisum zur einmaligen Ein-und Ausreise ausgestellt. Ich benötigte aber dringend ein Visum mit mehrfacher Ein-und Ausreise (dazu später mehr), so dass sich das Problem bis weit in meinen Aufenthalt in Peking hin mitschleppte. Auf jeden Fall, habe ich dann mein Visum zur einmaligen Ein-und Ausreise an der chinesischen Botschaft in Frankfurt abgeholt. Es gibt auch die Möglichkeit einen Visumsdienst zu beauftragen. Man muss dabei allerdings seinen Reisepass via Einschreiben an den jeweiligen Dienst schicken. Ich persönlich stehe dieser Möglichkeit sehr skeptisch gegenüber, da man nie weiß ob der Reisepass auch wirklich ankommt oder etwa auf dem Postweg verloren geht. Man ist allerdings auch bei der chinesischen Botschaft selbst nie vor Überraschungen sicher. Man braucht beispielsweise als Student das Formular JW 202. Ohne dieses Formular geht gar nichts. Es ist so wichtig, dass der Sachbearbeiter in Frankfurt es gar nicht im Original annehmen wollte (stand im Internet genau anders). Also musste ich noch schnell eine Kopie organisieren und habe dann diese abgegeben. Einem mitreisenden Komilitonen, der sein Visum in Hamburg beantragt hatte, wurde das Formular JW 202 aber einfach abgenommen. Er gab es mit dem Visumsantrag ab und hat es dann auch nicht wiedergesehen. Er musste sich dann über die Universität in Peking ein neues JW 202 Formular beantragen lassen.
Ankunft in Peking
Nach einem langen anstrengenden Flug kam ich am 25. September in Peking an. Eine Stunde später landeten auch meine Mitstudenten. Wir wurden bereits am Flughafen von Studenten der chinesischen Uni erwartet. Bei der Begrüßung die erste Überraschung. Die Studenten sprachen Deutsch. So war die erste Kommunikation auch gerettet und wir wurden netterweise direkt zu unserem (bereits in Deutschland gebuchten) Hostel für die ersten 3 Nächte gebracht. Das Hostel stellte sich als „übelste Absteige“ heraus. Fensterlose Zimmer, gefühlte 35 Grad Zimmertemperatur gemischt mit Lösungsmittelgestank machten das Schlafen dort alles andere als erholsam.

Wohnungssuche
Wir machten uns daher am nächsten Tag direkt auf Wohnungssuche in Peking. Dazu gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Man kann entweder über das Internet Wohnungsangebote suchen (www.thebeijinger.com) oder direkt ein Maklerbüro aufsuchen. Wir haben beides getan und hatten deswegen direkt einige Wohnungsbesichtigungen. Die Makler sind sehr bemüht und haben wirklich jede Menge Angebote im Portfolio. Man sollte sich aber nicht wundern, wenn auf einmal mehr Makler als Wohnungssuchende bei den Besichtigungen anwesend sind. Anscheinend ist das hier normal. Uns wurden dann jede Menge Wohnungen gezeigt. Heruntergekommende Wohnungen, luxeriöseste Appartments oder Wohnungen die sich noch im Rohbau befanden (sollten aber 2 Tage später fertig sein. Ist klar ;-) ).
Man sollte so ca. 180 bis 250 Euro für eine Wohnung in Peking einplanen. Es kommt natürlich immer darauf an, welche Ansprüche man selber stellt und ob man einfach etwas Glück bei der Wohnungssuche hat. Oft kann auch über den Preis verhandelt werden. Chinesische Vermieter wollen nämlich die Wohnungen meist langfristig vermieten und steigern dann bei gewünschter Mietdauer von max. 6 Monaten die Mietforderung um ein Vielfaches. Die Preise sind aber immer fernab von Gut und Böse, so dass man immer verhandeln sollte.
Auch zu beachten ist, dass man auch eine Maklercourtage zahlen muss. Diese beträgt meist eine Monatsmiete. Kleiner Tipp: Eigentlich ist es in Peking üblich, dass der Vermieter diesen Posten übernimmt, nur manchmal gibt es davon Ausnahmen. Man sollte deswegen auf jeden Fall nicht davor zurückscheuen, dieses Thema klar anzusprechen. Es sollte eher sehr strikt und ruhig etwas frech verhandelt werden. Das ist hier so üblich und oft wird auch versucht, die „Langnasen“ um ein paar zusätzlichen Yuan zu erleichtern.

Nach einigen Besichtigungen habe ich mich dann entschieden in ein „international student dorm“ einzuziehen. Das Einzimmerappartment kostet knappe 260 Euro im Monat. Etwas teurer, aber dafür musste ich auch keine Kaution und Maklercourtage zahlen. Mein Zimmer hatte außerdem ein eigenes Duschbad. TV, kleiner Kühlschrank, Klimaanlage und Internetanschluss (15 Euro im Monat) waren außerdem vorhanden. Die Zimmer sind sauber und funktional eingerichtet. Es gibt sogar eine Rezeption im Foyer, so dass man bei Problemen wirklich immer einen Ansprechpartner hat. Das Personal ist super freundlich und sehr bemüht. Auf jeder Etage befinden sich außerdem eine kleine Küche und kostenlose Waschmöglichkeiten. Ich war jedenfalls mit meiner Wohnungswahl ausgesprochen zufrieden, da ich so flexibel ohne längerfristigen Vertrag komfortabel wohnen konnte.
Die Universität
Die China University of Political Science and Law (CUPL) gehört zu den bekanntesten Rechtsuniversitäten Chinas. Es befindet sich außerdem ein Deutsches Rechtsinstitut dort. Das ganze Team, insbesondere Prof. Bao und Dr. Haase helfen einem sehr gerne weiter. Bei jeglichen Problemen standen sie mit Rat und Tat zur Seite.
Auch das internationale Büro der Universität half uns sehr. Nun komme ich nämlich auf das „Visumsproblem“ zurück. Wie bereits erwähnt hatte ich bisher nur ein Visum mit einmaliger Ein-und Ausreise. Ich brauchte aber mehrmalige Ein und Ausreise, da ich China über Weihnachten zwecks Heimaturlaub verlassen wollte. Es war zwar etwas schwer, dies genau klarzumachen, aber wir haben dann netterweise von der Uni ein neues Formular ausgestellt bekommen, welches uns bescheinigte, dass wir auf eine „Resident Permit“ angewiesen wären. Danach mussten wir uns noch ein chinesisches Gesundheitszeugnis ausstellen lassen. Ich hatte zwar schon eines aus Deutschland dabei, dieses wurde aber hier nicht anerkannt. Ich musste dann also noch in ein staatliches Krankenhaus fahren, dessen einziger Zweck darin bestand, Ausländer auf Herz und Nieren zu überprüfen. Meine ersten Befürchtungen hatten sich aber nicht bestätigt. Das Krankenhaus ist ganz modern, sauber und auf dem neusten Stand der Technik. Ich wurde gewogen, ein EKG wurde erstellt, die Lunge geröngt und mit wurde Blut abgenommen. Das ganze kostet um die 30 Euro. Ein paar Tage später kann man dann sein Gesundheitszeugnis samt Urkunde (kann man sich sicher auch einrahmen und aufhängen) abholen. Mit diesem Zeugnis, den Unterlagen von der Uni, dem Formular JW 202 (sofern man es noch hat) muss man dann zur Polizeistation in der Nähe des Lamma Tempels fahren. Sollten alle Unterlagen beisammen sein, kann man dann eine Woche später seinen Reisepass mit eingeklebtem Resident Permit abholen. Nun darf man so oft ein- und ausreisen wie man nur möchte, so dass auch Ausflügen in Nachbarländer nichts mehr im Wege steht.
Wir wurden außerdem von der Universität zu einem Ausflug nach Datong eingeladen. Wir fuhren mit dem Nachtzug dorthin, waren in einem wirklich sehr luxeriösen Hotel untergebracht und haben uns einige Sehenswürdigkeiten angeschaut (darunter das berühmte Hängekloster, sowie die hölzerne Pagode).
Die Vorlesungen
Der Unterricht fing bereits wenige Tage nach Ankunft in Peking an. Unter der Woche wurde von der Universität ein Sprachkurs angeboten. Dieser war sehr umfangreich und schwer. Dafür lernt man Chinesisch allerdings rasend schnell und man kann bald erste Konversationen auf Chinesisch führen. An den Wochenenden wurden dann die eigentlichen juristischen Veranstaltungen angeboten. Diese Kurse wurden extra für internationale Studenten angeboten. Wir waren meist maximal 12-15 Leute. Das Angebot der Kurse war reichhaltig. Von Human Rights in China (!!!) über Trade Law bis zu Introduction into Chinese Law wurde einiges angeboten. Die Dozenten waren dabei immer sehr motiviert und durch die kleinen Klassen hatte man immer persönlichen Kontakt.
Meist erfolgt dann am Ende eines jeden Kurses ein Test, meistens muss aber ein paper geschrieben, sowie eine Präsentation gehalten werden. In human rights gab es zusätzlich noch ein open book exam. Die Abschlusstests sind dabei wirklich machbar, wenn auch nicht immer leicht. Die Dozenten helfen immer gerne und beantworten während des Kurses oder auch danach bereitwillig Fragen.

Das Leben in Peking
Das Leben in Peking gestaltet sich vielfältig. In den ersten Tagen war ich erst einmal, obwohl ich ja schon mal einen Monat hier verbracht hatte, von den ganzen Eindrücken erschlagen. Es wird überall gehupt, Menschen soweit das Auge schaut, Hektik, Stress, Lärm. Nach einer Woche hatte ich mich aber daran gewöhnt. Ich kaufte mir ein Fahrrad und wagte mich in den halsbrecherrischen Verkehr. Sich ein Rad zu kaufen kann ich übrigens nur empfehlen. Man sieht die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive und soooo gefährlich ist es gar nicht – na gut schon – aber mit genügend Respekt vor den anderen Verkehrsteilnehmern klappt das schon. Im Übrigen habe ich bis zum heutigen Tage die genauen Verkehrsregeln hier in Peking noch nicht durchschaut. Erste Regel es gibt keine Regel? An einem Tag in der Woche stehen überall freiwillige Helfer, die sich um die Einhaltung und den Schutz von Fußgängern und Radfahrern bemühen. Ob auch mit Erfolg, das wage ich zu bezweifeln.peking
Man sollte auch nicht davor zurückschrecken, wenn man zum Beispiel gerade mit seinem Fahrrad unterwegs ist, einfach mal bei kleinen Garküchen oder Straßenständen anzuhalten um dort zu kosten. Das Essen ist günstig, lecker und reichlich. Genau das Richtige für eine strapazierte studentische Geldbörse. Es gibt häufig Nudeln, Gemüse oder Gerichte mir Reis und vor allem Fleisch. Es ist auf jeden Fall für jeden etwas dabei. Im Winter werden häufig heiße Maronen und frisch gegarte Süßkartoffeln angeboten.
Alternativ kann man natürlich auch immer in Restaurants essen. Das Essen ist auch hier im Vergleich zu Deutschland sehr günstig und immer frisch. Besonders zu empfehlen sind natürlich Peking Ente, und Feuertopf. Bei letzterem gibt es häufig immer Bier umsonst.
Das Nachtleben brauch sich vor westlichen Städten nicht zu verstecken. Es gibt Discotheken, Bars etc. in Hülle und Fülle.
Das U-Bahn System ist übrigens seit den Olympischen Spielen bestens ausgebaut. Für umgerechnet 30 Cent kann man einmal quer durch Peking fahren. Die Bahnen sind sauber, verkehren sehr regelmäßig und man kann eigentlich jeden Punkt in Peking gut erreichen.
Sehenswürdigkeiten in und um Peking
Auch hier gibt es einiges zu besichtigen. Himmelstempel, Platz des himmlischen Friedens, Tian’en men Platz, Mao Mausoleum, Olympia Park... und und und. Langeweile kommt bei den wirklich sehr interessanten Sehenswürdigkeiten nicht auf.

Fazit
Ich kann ein Auslandssemester in Peking oder in China allgemein nur empfehlen. Einige Monate in eine fremde Kultur einzutauchen und in dieser zu Leben sind einmalige Erfahrungen, die man sein ganzes Leben nicht vergessen wird. Außerdem ist es natürlich auch immer noch ein kleines Abenteuer, sich in einem völlig neuen Kulturkreis zurechtzufinden. Alle, die mit dem Gedanken spielen, ein Auslandsjahr in China zu verbringen kann ich daher nur ermutigen, diesen Schritt zu wagen.
Bei jeglichen Fragen bin ich jederzeit erreichbar unter akrebs@REMOVE-ALL-UPPER-CASE.smail.uni-koeln.ALLE-GROSSBUCHSTABEN-LOESCHEN.de
stud. jur. Andreas Krebs, Auslandssemester an der China University of Political Science and Law im Wintersemester 2008/2009




